Freiheit kann nur totale Freiheit bedeuten. Ohne Abstriche. Absolut. Andernfalls ist sie nur eine relative Freiheit, eingeschränkte Freiheit, die unter Umständen zwar besser ist als gar keine Freiheit, dennoch ist sie relativ und relativierend. Nur totale Freiheit ist reine Freiheit. Will man den Begriff der Freiheit nicht relativieren, so sollte man ihn besser nur in der Reinform ansprechen und als eine Art imperativen Infinitiv anzielen.
„Tu nur was Du willst, soll sein das ganze Gesetz.“ Aleister Crowley hat hier vielleicht etwas Wesentliches erkannt. Doch fehlt es nun, denkt man konsequent weiter, an einer verbindlichen, friedensfördernden Moral, die die Menschheit nicht in Anarchie und haltlosen Egoismus führt.
Diese zu erreichende Moral kann nicht in die Wissenslücke gefüllt werden, welche sich die Religionen und die Ideologien zunutze machen. Sie muss aus sich selbst heraus erwachsen und frei erfahrbar sein. Sie muss intrinsisch motiviert sein und logisch begründbar sein. Sie muss im Kleinen, wie im Grossen gelten können. Der Mensch ist ein soziales Wesen. Er braucht sich selbst als freien Menschen und seine Mitmenschen als freie Menschen. Er braucht den Gegensatz, die Abgrenzung ebenso wie die Ähnlichkeit und die Geborgengeit. Der Kategorische Imperativ nach Kant mag ein Leitmotiv sein, dass es weiterzuentwickeln gilt. Auch der evolutionäre Humanismus ist ein Ansatz, der es Wert ist, sich mit ihm auseinanderzusetzen. Die Maxime des eigenen Handelns darf jedenfalls die jeweils andere Existenz nicht gefährden. Ohne aus sich selbst herauszuschauen, ist das jedoch nicht möglich. Der Einzelne, das Ego, muss sich als Teil des grossen Ganzen verstehen. Die kognitiven Mittel müssen gefördert werden. Erziehung zur Mündigkeit in Freiheit ist Weg und Ziel zugleich.
Der politische Mensch, der soziale Mensch kann die nächste Stufe der Evolution nicht durch Anpassung erreichen. Im Gegenteil. Vielleicht kann er sich nur durch Verweigerung der Anpassung selbst verwirklichen und damit die nächste Stufe auf der Treppe zur Menschwerdung erklimmen. Verweigerung der Anpassung ist hierbei nicht gleichbedeutend mit Ausgrenzung. In der Verweigerung wohnt immer auch eine Einladung, durch eine Türe zu gehen. Es ist nur ein Schritt unter vielen. Eine Momententscheidung und Momenten der Entscheidungen.
Öffnen wir diese Tür oder steht sie uns offen? Das ist eine subjektive Frage.
Wir lassen uns lenken oder wir lenken selbst. Lenken wir selbst, erliegen wir allzuoft der Gier danach, auch andere Menschen lenken zu wollen. Wir öffnen Türen, durch die wir selbst nicht gehen. Werden wir gelenkt und erkennen es, lassen wir uns allzuoft in Raserei und Rebellion zergehen. Die Türen schliessen sich. Ein ewiger Kreislauf. Es gilt das eigene Ego zu erkennen, zu zähmen und die Relativität der Wirklichkeit zu begreifen. Das Ich und die Wahrnehmung sind ebenso relativ wie die Zeit. Man könnte versuchen, das in eine zu quetschen.
Die Wirklichkeit liegt im Auge des Betrachters, wie die radikalen Konstruktivisten erkannten. Die Meinungen stechen aber ins Auge des Gegenüber. Die Freiheit kann also nur in der Mehrzahl existieren. In subjektiven Wirklichkeiten, Realitäten, Meinungen. Aus der Summe des Subjektiven wächst so kaleidoskopartig ein fraktales Bild des Objektes, in dem wir alle uns eigentlich befinden. Dieses Objekt ist am Ende vielleicht nur eine Matrix, ein leerer Ballon, an dessen Innenseiten ein Film abläuft, der unsere Selbste als Hologram ins Innere, in den Mittelpunkt spiegelt.
Und dann schaust Du in die Fratze in Deinem Spiegel und suchst immer noch nach der Illusion von dir Selbst. Da möchte man manchmal aufwachen und an einen Traum glauben.

Veröffentlicht von Richard Feuerbach

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s