Von Richard Feuerbach

Jeden Freitag demonstrieren und hüpfen seit einiger Zeit Schüler und Schülerinnen für mehr Klimaschutz. Angeheizt und aufgepeitscht von erwachsenen Aktivisten, die zum Teil auch aus dem linksradikalen Spektrum stammen und von ihren mehr oder weniger ideologiebesoffenen Lehrkräften. Für den Klimaschutz darf man schon mal die Schule schwänzen. Das ist pädagogisch wertvoll. Sogar regelmäßig. Jeden Freitag. Unter dem Hashtag #FridaysForFuture fordern die jungen Menschen die Politik zum Handeln auf. Greta Thunberg sei Dank. Die zukünftige Friedensnobelpreisträgerin. Die Debatte um Schulpflicht steht hinter den hehren und moralisch überlegenen Zielen deutlich zurück.

Am 24.Januar veröffentlichte der Stern über seinen Ableger NEON einen offenen Brief, der angeblich von Schülern stammen soll. Unter der Überschrift „Schüler protestieren für den Klimaschutz – ihr offener Brief an die Kohlekommission“ wird ein Brief an die Kohlekommission veröffentlich, an dessen Entstehung offenbar kein einziger Schüler beteiligt war. Wo es heißt „Schüler schreiben offenen Brief an die Kohlekommission“ sind keine Schüler drin. Stattdessen hat hier die Relotiuspresse mal wieder zugeschlagen und Fakenews unter das Volk gejubelt.

Der angebliche Schülerbrief wurde von vielen anderen Medien dankbar aufgenommen, für die eigenen Zwecke und die eigene Meinung instrumentalisiert und die Leute glauben den Mist auch noch. Ist das eigentlich echt noch Journalismus oder kann das weg? Oder wird es langsam sogar kriminell?

Schauen wir uns den offenen Brief und die darin erwähnten Namen und Unterzeichner doch einmal genauer an.

Der Brief selbst gibt im Betreff, anders als die NEON-Redaktion es darstellt, schon mal nicht an, dass er von Schülern stammt. „Jugend fordert schnellstmöglichen Kohleausstieg und echte Zukunftspolitik“ heißt es nämlich in Wirklichkeit.

Folgende Namen werden als Verfasser und Unterstützer unter dem Brief angegeben:

Simon Otto: Mitglied der Die G7 Jugenddelegation. In seinem Twitterprofil gibt er selbst an: European | Student of international relations | German Delegate for climate change. Student also. Kein Schüler.

Daniel Böhmer: Laut seines eigenen Xingprofils Representative of German Industry and Trade. Washington, District of Columbia. Dazu ein Bild, das sicherlich keinen Schüler mehr zeigt. Ebenfalls Mitglied der deutschen G7 Jugenddelegation.

Vanessa Hirneis: Ebenfalls Mitglied der G7 Jugenddelegation. 24 Jahre alt.

Dann werden einige Bundessprecher der Organisation „Freiwilliges Ökologisches Jahr“ angeführt.

Jana Duhrmann, Nicole Friedmann, Louis Düwel, Franz Kloth und Jan Weber. Ein freiwilliges ökologisches Jahr ist eine gute Sache. Ohne Frage. Aber wann genau macht man ein freiwilliges ökologisches Jahr? Als Schüler oder nach dem Schulabschluss?

Weiterhin werden uns als angebliche Schüler verkauft: Zarah Thiel (laut Social Media Profil Studentin an der WWU Münster/Biological Diversity), Marvin Manzenberger (Student, Junior Ranger, Sprecher des bundesweiter Junior-Ranger-Programms), Adina Arth (German Youth Delegate für the UN Biodiversity Conference at United Nations), Gerrit Öhm (Student, Naturschützer und Experte für Schwebfliegen).

Was ist denn da los, liebe Kollegen vom Neon Magazin? Wo sind denn nun die Schüler?

Es geht weiter. Johanna Knauf (Arctic Youth Summit), Henrik Röhr (Studies Philosophy at Goethe-Universität Frankfurt), Michaeala Salomon (Bachelor of Science at Technische Universität München), Luz Emilia Ochoa Rui Godoy (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, Institut für Ethnologie), Filip Reketic (Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main), Huong Giang Le (Research Assistant at Center for Critical Studies in Architecture, Darmstadt), Caspar Bayer (CEO bei Golfstrom Energy GmbH München), Sarah Hündgen (Freelancer, Wuppertal, Zeppelin Universität Friedrichshafen).

Wenn man die Namen der Ersteller und Unterzeichner des offenen Schülerbriefs durchgeht und recherchiert, hätte man doch eigentlich erwartet auf Schüler zu treffen, oder?

Der Sternableger NEON Magazin hat uns suggeriert, dass es der offene Brief der Schüler wäre, die freitäglich gegen die Kohle demonstrieren.

Übrigens auch gegen die Kohle, die vielleicht die Eltern der Demokids verdienen, die ihnen Ausbildung und Studium finanzieren sollen. Für eine echte Zukunft. An die Arbeitsplätze die an Kohle, Diesel und Co. hängen denken die Aktivisten weniger. Das muss die hüpfenden Schüler nicht tangieren.

Warum nennt der Stern das Kind nicht beim Namen? Warum werden aus Studenten und erwachsenen Aktivisten Kinder, also Schüler gemacht?

Weil es nicht in das ideologische Konzept passt.

Sonst hätte man den Brief doch sicher anders genannt und eine andere Überschrift gewählt.

Zum Beispiel „offener Brief von Studenten und jungen Erwachsenen“?

Das war dann wohl nicht reißerisch genug und damit konnte man selbstverständlich die „Fridays for Future“ und die Schule schwänzenden Kinder nicht weiter instrumentalisieren. Da heiligt der Zweck doch gerne mal die Mittel und es wird einfach ein wenig relotiuniert.

Aber wir gaben bei der Recherche noch nicht auf. Vielleicht findet sich ja doch noch der eine oder andere echte Schüler?

Markus Sommerhoff (Student an der technischen Universität München), Benedikt Weber (Marketing Manager bei Paramount Home Entertainment), Lisa Storcks (Ruhr Universität Bochum), Nick Heubeck (Student, 20 Jahre).

Leider fand sich auch unter den vielen anderen angegebenen Schülernamen kein einziger Schüler. Auch nicht bei denen der Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen, des Bundesvorstands der grünen Jugend, der katholischen Landjugendbewegung, beim deutschen Jugendbund für Naturbeobachtung, dem Bundesjugendbeirat der deutschen Wanderjugend noch bei Die Demokratische Stimme der Jugend e.V., der deutschen Klimastiftung, der evangelischen Jugend Berlin-Brandenburg, der Europawahlliste Bündnis 90/Die Grünen und all den anderen Nichtregierungsorganisationen und Vereinen.

Was soll man dazu sagen? Die Relotiuspresse würde uns doch niemals belügen, oder? Schüler müssen Schüler sein, wenn die es behaupten. Eine Lüge wird wahrer, wenn man sie nur oft genug schreibt.

Aber langsam muss echt mal Schluss sein mit der Klima-Party. Die Leute haben immer häufiger die Nase voll von den schlechten DJs, die immer dieselben Platten auflegen.

Da höre und zitiere ich doch lieber die Kabarettsitin Lisa Fitz: „Ich halte die globale Erwärmung für viel weniger gefährlich, als die globale Verblödung.“

Ein großer Dank geht an Markus Müller, der maßgeblich die Recherche für diesen Artikel übernommen hat.

Veröffentlicht von Richard Feuerbach

One Comment

  1. Vielen Dank für diesen tollen Artikel und die Recherche die daran hängt alles auf zu decken. Längst lesen nicht mehr so viele den Stern. Dieses Medien Blatt ist in seiner Form Relutionierter als der Spiegel. Der letzte Absatz passt perfekt, eine globale Verblödung fand und findet statt die kein Ziel in Aussicht hat. Erschreckendes Rudelsozialisieren mitzombiehaften Symptomen erinnert an Sotherlands, die Körperfresser kommen.

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