Von Frechfrau und Richard Feuerbach

Alleinerziehend. Mutter. Alleinerziehend. Vater. Zwei Sichtweisen.

(Frechfrau)

Ohne Zweifel – ich kann jede Frau verstehen, die sich in der Situation einer ungewollten Schwangerschaft in schwieriger beruflicher und finanzieller Lage (Schuld sind natürlich immer die kondomfaulen Männer – Ironie off) für einen Schwangerschaftsabbruch entscheidet.

Ich erlebe sie täglich am eigenen Leibe, die Hölle aus Stress, Sorgen, Verpflichtungen, bösen verständnislosen Chefs und Kollegen, die einen verfluchen, wenn das Kind mal wieder im Kindergarten gekotzt hat, und umgehend abgeholt werden muss, hämisch grinsenden Ex-Freundschaften, die einen mitleidig belustigt aus ihrem kinderlosen perfekten Schickimickileben beobachten, aber sich niemals unterstützend die Finger schmutzig machen würden. Schließlich ist man als alleinerziehende Mutter in die Kaste der Unberührbaren abgestiegen, mit der sich niemand mehr freiwillig abgeben möchte. Freundschaften sind in dieser Gegenwart meist Deals; man vernetzt sich am liebsten mit Personen, von denen man sich den einen oder anderen gesellschaftlichen Vorteil verspricht. Verständlich. Ellenbogengesellschaft halt. Ohne Vitamin B geht gar nichts. Ich habe kein Vitamin B. Auch kein Vitamin A-Z. Ich bin auf mich allein gestellt seit meiner Entscheidung für das Leben. Auf Erzeuger und Verwandte kann ich nicht zählen. Für das Leben muss ich mich täglich neu entscheiden. Auch für das eigene, welches einem hoffnungslosen Überlebenskampf im Hamsterrad gleicht. Für irgendetwas muss man ja sein, in einer Zeit, in der viele die Orientierung verloren haben, nicht mehr ihre eigene Kultur und ihre eigene Identität definieren können. Das Leben ist das einzige, was ich besitze und das Leben meiner Kinder ist mir heilig.

Und so beiße ich die Zähne zusammen, wenn ich wieder länger auf Arbeit bleiben muss, auch wenn ich weiß, dass meine Tochter im stickigen schmuddeligen Kindergarten leidet, und die ganze Zeit sehnsüchtig zur Tür starrt. Ich gehe mit Fieber zur Arbeit, weil ich schon zu oft gefehlt habe, da Kindergärten sich weigern, fiebrige Kinder zu betreuen. Ich lasse meinen Sohn allein daheim, auch wenn ich weiß, dass er bei jedem Geräusch Panik bekommt. Einen Babysitter kann ich mir nicht leisten. Miete und Auto verschlingen fast alles, was ich verdiene.

Nein, dieses Land ist alles andere als kinderfreundlich! Es bricht mir das Herz, wenn ich kleine süße Babies, die noch lange nicht laufen können, in der Kinderkrippe sehe. Sie brauchen Geborgenheit, Nähe, mütterliche Liebe, ein kuscheliges Heim – müssen aber teilweise 8 Stunden auf einem harten Fußboden zwischen versifften Spielsachen ausharren, bis eine erschöpfte Mama das kleine Herzchen von Windelmatz wieder in die Arme schließt. Furchtbar. Mir war es damals egal, welches die Erwartungen von Gesellschaft und Familie an mich sind. Ich habe meine Kinder gestillt, selbst betreut bis sie zweieineinhalb Jahre alt waren. Auch wenn ich zeitweise nur von Haferflocken lebte. Jetzt lebe ich von den Resten auf den Tellern meiner Kinder. Und einem Glas Sekt ab und an.

Kindergärten und Schulen rühmen sich heutzutage mit Ganztagsbetreuung, die bis 17 Uhr geht. Aber wie werden die Kinder in solchen Einrichtungen betreut? Kann man staatlichen Einrichtungen die Kinder anvertrauen? Ich denke: eindeutig nein! Es gibt viel zu wenig Personal, welches in Kindergärten und Horts nicht mehr tut, als aufzupassen, dass kein Kind verschwindet. Individuelle Förderung, Bildung, Identitätsentwicklung, soziales Lernen – all das findet maximal rudimentär statt. Von den biologischen Bedürfnissen fange ich angesichts der ungemütlichen Räume und meist schlecht gereinigten Toiletten erst gar nicht an. Ruhe- und Rückzugsräume gibt es in den wenigsten staatlichen Einrichtungen.

Mobbing und körperliche Gewalt unter den Kindern wird selten von den Pädagogen wahrgenommen und schon gar nicht gegengesteuert. In staatlichen Einrichtungen sind Kinder täglich psychischer Gewalt (seitens anderer Kinder) ausgesetzt, gegen die sie sich nicht wehren können. Für hochsensible Kinder unzumutbar, weshalb ich meine Kinder so wenig wie möglich in Kita und Hort bleiben lasse.

Kindererziehung ist ein Full Time Job. Nach der Arbeit bin ich neben Köchin und Putzfrau auch Psychologin, Musiklehrerin, Sportpädagogin, Mediatorin und natürlich Alleinunterhalterin. All diese Tätigkeiten werden nicht bezahlt und honoriert; machen aber einen gewaltigen gesellschaftlichen Unterschied, denn meine Kinder heben das Niveau jeder Unterhaltung, bringen kreative Impulse in Schule und Kita und werden später dem Staat nicht auf der Tasche liegen.

Wäre ich Politikerin würde ich mich dafür einsetzen, dass das Image natürlicher Familien (Vater, Mutter Kinder) medial gefördert und propagiert wird, im Gegensatz zu der gegenwärtigen Propaganda für Homoehen mit Tauschmüttern und allem möglichen unnatürlichen Pipapo und der zur Norm gewordenen Flucht aus der Verantwortung vor dem Leben. Die Familie ist die kleinste Einheit der Gesellschaft. Ist sie gesund, naturverbunden, heil und unabhängig, wird es auch die Gesellschaft sein.

Das Thema Alleinerziehende wurde von der AfD bisher kaum thematisiert. Als Partei, die sich dem konservativen Spektrum zuordnet, steht sie selbstverständlich für das klassische Familienmodell aus Vater, Mutter und Kindern, was ja auch das Beste für Kinder ist. Doch eine Partei, die Abtreibung ablehnt, muss auch Ideen entwickeln, wie sie mit der Problematik Alleinerziehender umgeht. Werteverfall und gesellschaftlicher Wandel haben es zur Normalität werden lassen, dass Kinder entstehen, ohne dass der Mann (oder auch die Frau) bereit ist, eine Familie zu gründen. Da im Fall einer ungewollten Schwangerschaft meist abgetrieben wird, gibt es kaum Hilfen für Alleinerziehende, die nicht vom Staat leben wollen oder können. Lebensschutz muss aber auch nachgeburtlich weiter gehen, und da wo die Gesellschaft versagt (meine Eltern sind beispielsweise zu krank, um zu helfen, Freunde mit Zeit und Unterstützungswillen sind nicht vorhanden), muss der Staat einspringen. Es geht nicht, dass Frauen wie ich im Job schikaniert werden, wenn sie mal ausfallen. Es kann nicht sein, dass Väter, die sich nicht um ihre Kinder kümmern, ungehindert Karriere machen können und nur durch aufwändige, kräftezehrende Gerichtsprozesse dazu verpflichtet werden können, ein Minimum an Unterhalt zu zahlen, welcher nicht einmal die höheren Mietkosten deckt. Von den Kitagebühren ganz zu schweigen. Es ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit, dass Väter in ihrer Freizeit Unsummen für Fußballspiele ausgeben, während Mütter Pfandflaschen sammeln, um mal mit ihren Kindern ins Kino gegen zu können. Hier muss es dringend mehr Ausgleich geben, der aber nicht dazu führen darf, dass Männer im Fall einer ungewollten Schwangerschaft noch mehr Druck auf Frauen ausüben, das Kind abtreiben zu lassen.

Ein Kind zu bekommen ist ein riesiges Glück. Dass es für viele Frauen heutzutage einer schlimmen Tragödie gleicht, zeigt, wie weit wir uns von einer gesunden naturverbundenen Gesellschaft entfernt haben.

Über die komplexe Thematik und die gesellschaftlichen Hintergründe habe ich ein Buch geschrieben: Wutmama unter dem Pseudonym Renate Rosenkranz

Derzeit arbeite ich an dem 2. Teil.

(Frechmann/Richard Feuerbach)

Das möchte ich als Mann und zu 50% alleinerziehender Vater nicht so stehen lassen. Deshalb meine Antwort auf Renates Pladoyer direkt hier im Anschluss:

Wir Männer und Väter haben auch ein schweres Los. Sind wir alleinerziehend…und ja…das gibt es sehr wohl auch, haben wir es doppelt schwerer als alleinerziehende Mütter, die immerhin Vorbilder haben.

Wir „modernen“ Männer leben in einer Zivilisation, vielmehr einer Zwischenwelt, in der inzwischen die zweite Generation Frauen, Mütter, Erzieherinnen, Lehrerinnen ihren Platz gefunden hat und auf einer soliden Grundlage weiter an ihrem Profil arbeitet. Wir sind Zombies in dieser Zwischenwelt.

Die Männer und Väter hinken hinterher und müssen feststellen, dass ein neues, dominantes Alphaweibchen in die Fussstapfen des Grossvaters getreten ist.

Wir Väter haben in mehrerlei Hinsicht eine Doppelbelastung zu ertragen.

Einerseits müssen wir mit dem Verlust männlicher Vorbilder zurecht kommen, wachsen oft selbst vaterlos auf, andererseits ist der Erwartungsdruck selbst fortgeschritten emanzipierter Partnerinnen hoch.

Wir können uns nicht mehr auf unserer Männlichkeit ausruhen und müssen (zurecht!) lernen uns auch mal unterzuordnen.

Wir sollen nach Möglichkeit alles das genauso gut machen wie die Frauen, v.a. in Sachen Umgang mit Gefühlen.

Unsere Vorbilder sind all zu oft dabei entweder fehlende Väter oder Väter die sich als Patriarchen aufspielen konnten, nur ihr eigenes Ding durchgezogen haben oder in die Kategorie Pantoffelheld fallen.

Wenn wir es aus eigener Kraft dennoch geschafft haben, uns über unsere Gefühle klar zu werden, wobei hier noch keine Wünsche formuliert sind, müssen wir drüber reden und sie auch noch reflektieren. Und zwar bevor sie zuende gefühlt sind.

Wobei Gefühle wie Aggression, Wut oder gar Hass natürlich eher unzulässig sind und möglichst vermieden werden soll(t)en. Das geht ja man(n) gar nicht.

Wir sollen zwar über Gefühle die uns gerade eben erst dämmernd klargeworden sind sprechen und metakommunizieren, was aber, wenn die Gefühle dann auch noch vermeindlich negativ sind? Dem destruktiven (männlichen?) Prinzip entsprechen?

Wer sich als Mann und/oder Vater mal auf entsprechende Diskussionen eingelassen hat, der wird glaube ich wissen, was ich meine. Nicht das Frauen diese Gefühle nicht auch haben…aber in der durchschnittlich gleichen Qualität? Sind alle Klischees für den Arsch oder hat die Legende einen wahren Kern? Und jetzt komm mir bitte keiner mit Lesboargumenten. Die gucke ich lieber als ich sie höre.

Nun, egal. Also tapsen wir umher, ohne Vorbilder, wissen was wir alles nicht mehr bringen können, was wir aber weiterhin leisten sollten, lernen uns gerade von einer ganz neuen Seite kennen, funktionieren, stehen der Frau zur Seite, die uns leider auch mal die kalte Schulter zeigt, an die wir uns gerne auch mal anlehnen würden, stehen alleine unseren neuen Mann.

Und irgendwann sind wir Väter und wussten und wissen eigentlich gar nicht, wie das heutzutage geht. Bloss keine Schwäche zeigen jetzt…und bloss keine falschen Fragen stellen, gewagte Erziehungshypothesen aufstellen. Das geht ins Auge. Da wird man schneller zum Deppen, Weichei und Erziehungsgehilfen als man im Bett je gekommen ist. Uups…sorry.

Naja, mit der Zeit wächst man da hinein, in die neue Rolle. Man muss sich nur trauen authentisch zu sein und sich die Rolle freigeistig selbst zu definieren. Für moderne Väter gilt m.E. die Devise…scheiss auf autoritär, scheiss auf antiautoritär…erziehe authentisch. Sei du selbst…mit allem was dazu gehört.

Ausser böse Wörter…die besser nur heimlich den Kindern beibringen. Hüstel*

Was Jungen brauchen, das wissen die Mütter am besten. Was Mädchen brauchen? Auch.

Quatsch. Ihr, wir, haben es in der Hand. Wir sind die erste Generation. Wir sind die 68er…nur eben 50 Jahre zu spät.

Die Emanzipation der Frau war sinnlos, zumindest für uns Männer, wenn sich nicht auch der Mann emanzipiert. Ein e-man-zipierter (sich vom Geist des Vaters lösender) Mann ist sich seiner sensiblen Anteile bewusst und traut sich, sie zu leben, er sieht Kinder, Haushalt und Sozialarbeit nicht als etwas Negatives.

Dazu muss er sich nur Freiraum und seine Freiheit einfordern. Doch genau jene Personen, die ihn darin unterstützen sollten, wollen seine Freiheit nicht. Stichwort Job or not z.B.

Ein besserverdienender Garant für Einkommen, Macht und Status, auf den die Familie nicht verzichten will, plus ein gesunder, sportlicher Typ, eloquent, intelligent, geiler Ficker, zärtlicher Lover…eine Wunschvondenaugenableseundsieambestendirekterfüllermaschine sollst du sein!

Kannste vergessen. Du bist n Looser…genau wie ich.

Der Mann ist nämlich auch von den Männern verlassen. Leistungsideale und Vorteile in der männlich dominierten Arbeitswelt bestehen nach wie vor. Wenn Dein Chef ne Frau ist, ist es oft genug noch schlimmer. Babypausen, Teilzeitarbeit und Jobsharing

Pah.

Geld statt Liebe, unbewusste Abwertungen, Kontaktarmut betreffen vor allem die Söhne von Vätern, die sich gegenüber der Mutter nicht behaupten konnten, keinen eigenen Zugang zu Erziehungsthemen entwickeln konnten und keinen Ausweg als die Flucht vor der Verantwortung gesehen haben.

Jaja…so ist das.

Die Moral von Geschicht? Man(n)! Sei einfach du selbst und vertraue Dir. Wenn Du Dich selbst nicht liebst, liebt Dich keine.

Viel wichtiger aber ist…und hier endet die Satire und beginnt der Ernst des Lebens…liebt Eure Kinder! Lasst die Liebe Eurer Kinder zu!

Unsere Kinder sind unsere Zukunft.

Am besten natürlich als intakte Familie. Mutter, Vater, Kinder. Die Rollenverteilung ist dabei egal. Es kann auch der Mann Zuhause bleiben und die Frau arbeiten gehen. Jeder wie er mag und wie es für die Familie und die Finanzen am günstigsten ist.

Und wenn es in der Partnerschaft nicht klappt…lasst Euch nicht unterkriegen. Haltet nicht krampfhaft am Unglück fest.

Konservativ sein heißt nicht ein Spießer zu sein, der auf Biegen und Brechen an einer kaputten Beziehung festhalten muss, nur weil es sich so gehört.

Nur glückliche Eltern haben glückliche Kinder.

Und auch Alleinerziehende können glücklich sein.

Veröffentlicht von Richard Feuerbach

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