Von Richard Feuerbach

Seit Jahren ärgere ich mich als Vater über dieses Lied und das Bohei der Vielfältigkeit, welches auf Projektwochen, Schulveranstaltungen und überhaupt zu jeder Gelegenheit an unseren bunten Schulen damit transportiert wird. All die seligen, strahlenden Gesichter der Lehrer*innen und Eltern, wenn die Kleinen in der Grundschule dieses einstudierte und eingetrimmte Liedgut präsentieren dürfen. Müssen. Ich balle die Faust in der Tasche, freue mich für meine Kinder, wenn sie Freude am Singen haben. Aber ich empfinde es als pure Indoktrination.

Im Land der Blaukarierten sind alle blaukariert.
Doch wenn ein Rotgefleckter sich mal dorthin verirrt,
dann rufen Blaukarierte: „Der passt zu uns doch nicht!
Er soll von hier verschwinden, der rotgefleckte Wicht!“

Im Land der Rotgefleckten sind alle rotgefleckt.
Doch wird ein Grüngestreifter in diesem Land entdeckt,
dann rufen Rotgefleckte: „Der passt zu uns doch nicht!
Er soll von hier verschwinden, der grüngestreifte Wicht!“

Im Land der Grüngestreiften sind alle grüngestreift.
Doch wenn ein Blaukarierter so etwas nicht begreift,
dann rufen Grüngestreifte: „Der passt zu uns doch nicht!
Er soll von hier verschwinden, der blaukarierte Wicht!“

Im Land der Buntgemischten sind alle buntgemischt.
Und wenn ein Gelbgetupfter das bunte Land auffrischt,
dann rufen Buntgemischte: „Willkommen hier im Land,
hier kannst du mit uns leben, wir reichen dir die Hand!“

(Text und Musik: Klaus W. Hoffmann)

Das Lied vom Anderssein ist sicherlich vielen Eltern seit Jahren bekannt. Es gibt die Blaukarierten, die Rotgefleckten, die Gelbgetupften, die Grüngestreiften und am Ende die Buntgemischten. Man muss nicht lange überlegen, um zu verstehen, wer und was damit gemeint ist. Es geht um die multikulturelle Gesellschaft und das Anderssein. Den Text und die Melodie findet man zuhauf in etlichen Büchern und zahlreichen an Lehrer und Lehrerinnen gerichteten Seiten im Netz. Mit diversen Hinweisen zur Didaktik, Vorschlägen für Projektwochen und andere Schulveranstaltungen wird das „Erarbeiten“ dieser nicht ideologiefreien Pädagogik für Kinder ab Klasse 2 empfohlen.
Aus Bettlaken nähen Mütter und die Klassenlehrerin Leibchen. Diese Leibchen werden dann von den Kindern bunt angemalt. Der Erziehungsauftrag geht vom wünschenswerten Fall aus, dass die Kinder folgendes verinnerlichen: Kinder, die in diesem Land, im Land der Buntgemischten leben sind tolerant gegenüber fremden Kulturen, Sprachen, Traditionen, Religionen und Sitten. Sie heißen die Fremden, ob schwarz, gelb oder weiß, arm oder reich willkommen und reichen ihnen die Hand. Es wird den Kindern damit völlig unkritisch suggeriert: Hier könnt ihr mit uns zusammenleben und glücklich werden.
In den methodisch-didaktischen Anleitungen werden Lehrkräften Hinweise gegeben. Es geht um das Bewusstmachen der Tatsache, dass Menschen sich ausgrenzend verhalten können. Die Arbeit mit und an eigenen Vorurteilen müsse in weiteren Unterrichtseinheiten thematisiert werden.

Die Kinder sollen Sitzkreise bilden und sich die Geschichte von den Blaukarierten, Rotgefleckten, Grüngestreiften und Buntgemischten anhören. Im Anschluss werden dann im Gespräch Fragen zu den Themen Anderssein, Betroffensein, Angst vor Veränderung, Ausländer, Ausgrenzung, Rassismus, Menschenrechte, Kampf gegen Rechts und Miteinander besprochen und aus ideologisch-pädagogischer Sicht geklärt. Kindgerecht. Wie man behauptet.

Wo ist Indoktrination kindgerecht? Wo werden die anderen Sichtweisen in diesem Lied bearbeitet? Heimat, Geborgenheit, Sicherheit, die Kultur und Geschichte des eigenen Landes? Die Gefahren, die gesellschaftliche Spaltung, das Klima der Angst auf den Straßen, die täglichen Einzelfälle der bunten Gesellschaft?

Die Fähigkeit zur Kritik wird den Kindern nicht mehr vermittelt. Sie sollen unkritisch die Sicht der Pädagogen annehmen. In Gruppen bemalen die Kinder also weiße T-Shirts mit roten Flecken, grünen Streifen oder blau kariert. Ein T-Shirt wird mit gelben Tupfen versehen.

Dann wird das Lied vom Anderssein gesungen, wobei Blaukarierte, Rotgefleckte und Grüngestreifte jeweils einen Kreis bilden. Zur 1. Strophe tanzen die Blaugestreiften um Rotkarierte, die am Ende der Strophe zur blaugestreiften Gruppe flüchten. Die Rotgefleckten singen die 2. Strophe und umringen die Grüngestreiften. Nach der 3. Strophe bilden dann alle Kinder einen Kreis und ein einzelnes Kind, ein Gelb getupftes, das bisher allein war, wird in den Kreis aufgenommen. Friede, Freude, Eierkuchen. Kindgerecht. Völlig unkritisch. Ohne zu Hinterfragen. Unter Ausblendung jeglichen Realitätssinns.

In einer Nachbesprechung sollen die Kinder dann über ihre Gefühle sprechen. Metakommunikation ist ja etwas, das Kinder schon besonders gut können. Besonders die Ausgegrenzten werden dann angesprochen und von der Lehrerin moderiert. Warum werden anders Aussehende ausgegrenzt? Welche Gründe gibt es dafür, dass Menschen ausgegrenzt werden? Was soll man tun, wenn man merkt, dass jemand ausgegrenzt wird?

Kein Wort davon, wie im Jahre 2019 Anders“denkende“ ausgegrenzt werden. Wie sie mit Nazikeulen erschlagen werden, wie ihre Autos abgefackelt werden, ihre Scheiben eingeschlagen, ihre Häuser besprüht werden oder sie gar halb tot geprügelt werden. Im Auftrag der multikultursernsiblen Ideologie. Die grünen Werte heiligen als Zweck eben die braunen Mittel. Kein Wort davon, dass es im Netz ganze Trollarmeen gibt, die nichts anderes zu tun haben als Andersdenkende, vermeintlich rechte Nazis bei ihren Arbeitgebern zu denunzieren, sie zu doxxen, dafür zu sorgen, dass ihre Bankkonten gesperrt werden oder ihnen die Möglichkeit zur freien Meinungsäußerung durch willkürliche Sperren in sozialen Medien geraubt wird. Da wird dann auf Nachfrage in einer abgrundtief scheinheiligen Doppelmoral über den Unterschied zwischen Meinungsfreiheit und Meinungsakzeptanz schwadroniert, da werden Strohmänner geworfen, dem Whataboutism gefrönt.

Für mich ist das alles eine ganz furchtbare Indoktrination. Ich nenne das Indoktrination. Ich will nicht, dass meine Kinder, an mit meinen Steuern finanzierten Schulen, zu naiven, unkritischen Willkommensklatschern erzogen werden. Ich möchte zwar auch, dass sie Respekt vor den Menschen haben und keine Vorurteile gegen Menschen anderer Hautfarben haben, aber ich möchte nicht, dass sie den Instinkt verlieren, dass ihnen die schützende Angst aberzogen wird. Angst ist auch ein Schutzinstinkt. Angst ist etwas Normales. Gerade bei Kindern. Ich hatte als Kind vor so vielen Dingen Angst. Wenn ich schlief, musste das Licht im Flur an bleiben. Ich durfte misstrauisch sein. Ich hatte die Chance mein Misstrauen selbstständig zu hinterfragen und meine Vorurteile aus eigener Erkenntnis abzubauen, wenn ich in Berührung mit dem Fremden kam. Mir wurde das nicht vorgekaut. Meine Generation konnte ein gesundes Misstrauen entwickeln und sich trotzdem aus eigener Erkenntnis und eigenen Antrieb dem Neuen öffnen.

Vor Fremden keine Angst mehr zu haben…bedeutet v.a. heute aber nun eben leider auch, dass die Gefahr besteht, zu irgendeinem Fremden ins Auto zu steigen, im Netz auf irgendein pädophiles Schwein hereinzufallen. Es bedeutet, dass den Kindern die Fähigkeit kritisch zu Denken genommen wird. Ein gesundes, evolutionär gewachsenes Misstrauen wird ihnen als politisch unschicklich ausgetrieben. Zurück bleiben all zu oft und immer häufiger naive, leider auch kritikannahmeunfähige, seelische Krüppel, die den so zeitgeistigen wie primitiven YouTubern verfallen, denen Gameplayvideos und frauenverachtendes, homophobes Kiezdeutsch näher sind als Sitte, Moral und Anstand. Die faule und ichfixierte Generation Z, die den Arbeitgebern und kommenden Rentnern den entsetzten Angstschweiß auf die Stirn treibt . Die seltsame Anhäufung von ADHS-Modediagnosen, Dyskalkulien, Schulverweigerern, Aggrokids, Gretology-Schulschwänzern, diversgeschlechtlichen und cybermobbenden Zombies einer völlig aus dem Ruder gelaufenen Gesellschaft.

Ich will das nicht. Ich habe die Schnauze voll davon.

Deshalb möchte ich den Text, aus dem man durchaus hätte etwas sinnvolles machen können, wenn nicht so viele heutige Lehrer auf die krude 68er-Ideologie ihrer Adorno vergötternden Professoren hereingefallen wären, ergänzen:

Im Land der Buntgemischten werden alle ganz schnell braun.
Und wenn ein Untgetupfter das braune Land auffrischt,
dann rufen Braunverbrannte: „Willkommen hier im Schland,
hier kannst du nicht mehr leben, es sei denn du bist hirnverbrannt!“

Veröffentlicht von Richard Feuerbach

4 Comments

  1. Ich muß mich zügeln nicht den Mut zu verlieren.War selbst Kindergärtnerin in der DDR und habe es erlebt.Kinder 4 Jahre alt,mit noch geringem Wortschatz und sie wußten wer Honecker ist.Nach dem Lied“Rattatatata ich bin ein Panzer der Nationalen Volksarmee..“,wurde über den bösen Westen aufgeklärt und das wir uns mit einer Grenze schützen müssen.Wenn Eltern da nicht gegensteuern,ist es zu spät.Ich glaub ich brauch mal wieder eine Twitterpause…

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  2. Ich muß mich zügeln nicht den Mut zu verlieren.War selbst Kindergärtnerin in der DDR und habe es erlebt.Kinder 4 Jahre alt,mit noch geringem Wortschatz und sie wußten wer Honecker ist.Nach dem Lied“Rattatatata ich bin ein Panzer der Nationalen Volksarmee..“,wurde über den bösen Westen aufgeklärt und das wir uns mit einer Grenze schützen müssen.Wenn Eltern da nicht gegensteuern,ist es zu spät.Ich glaub ich brauch mal wieder eine Twitterpause…

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    1. Ich stimme ihnen völlig zu.1969 in der DDR geboren und bis zur Wende dort sozialisiert, macht es mich fassungslos und ohnmächtig, zuzusehen wie diese Leute überhaupt nicht begreifen, dass sie die selben Fehler wiederholen. Stattdessen wird sich noch überheblich mokiert. Wer hätte das 89 gedacht?

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  3. Hm… Sollen die Kinder ihren Sitznachbarn denn nun kritisch unter die Lupe nehmen, ob er was auf dem Kerbholz hat? Oder sollen sie sich erstmal schlau machen, ob das neue Mädchen vielleicht mit Drogen dealt? Das ist doch Unsinn und wirkt eher beklemmend. Ich denke schon, dass man jedem offen gegenüber sein sollte und die Erfahrung zeigt auch, dass man sehr gut mit Mai aus China oder Mohammed aus Ägypten klar kommt, wenn man nur mal mit ihnen spricht oder was zusammen unternimmt.

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