Eine Satire von Richard Feuerbach

Eiskalte Nebelschwaden liegen über Gut Brauneck, als die Delegation aus NRW eintrifft. Alles ältere,weisse Männer, meist mit Aktentaschen aus echtem Rindsleder und langen dunklen Mänteln betreten schnellen Schrittes die Versammlungsstätte.

Die Stimmung ist angespannt.

Lächelnde Gesichter sieht man keine. Es geht um viel. Es geht um Deutschland. Es geht um das Volk……

Die Männer legen ihre Trenchcoats ab und lassen die Bediensteten, allesamt junge Frauen, die Trenchcoats aufhängen. Nach einem Sektempfang, bei dem die Bediensteten durch ihr neckisches Hasi-Kostüm auffallen, ziehen sich die Bediensteten zurück, um das schmutzig gewordene Geschirr zu spülen.

Währenddessen waschen die Männer im großen Saal dreckige Wäsche, indem sie der Parteivorsitzenden Parteiverrat vorwerfen. Sie sind sich alle wortlos einig, dass die Parteivorsitzende als Frau einfach zu attraktiv ist, um die Wählerschicht zu überzeugen, die Partei zu wählen.

Düsteren Blickes schreiten sie zur Abstimmung. In ihren Gesichtern steht der Ernst der Lage. Sie sind sich ihrer grenzenlosen Verantwortung für die Zukunft der Partei, des Landes, des Planeten und des gesamten Universums bewusst. Schwer lastet die Entscheidung auf ihren Schultern. Dann reckt der erste den Arm. Seine Kameraden schauen ihn verständnislos an. Er wirkt verwirrt.

Die Männer in schwarz rufen die Bediensteten herbei. Diese sehen sofort, was nicht stimmt und nicken den Herren stumm zu.

„Prötel muss weg“, raunt es über den nussbraunen Parkettboden hinweg.

In dem alten Tiefenzollern Schloss, das einst schon SS-Größen wie Reinhard Heydrich als Rückzugsort gedient hatte, darf, so scheint es, endlich gesagt werden, was ansonsten tabu ist. Saubermänner unter sich.

Die Bediensteten verlassen erneut den Raum, um einen kurzen Moment später wieder zurückzukehren, mit einem rollenden Spiegel. Diesen stellen sie direkt vor den Herrn, der nun erkennt, dass seine Bewegung nicht makellos war. Es war der falsche Arm.

„Daran ist nur Prötel schuld“, sagt er, um sein kaum zu rechtfertigendes Fehlverhalten zu entschuldigen. Alle nicken verständnisvoll.

„Prötel muss weg“, raunt es wieder und wieder über dem nussbraunen Parkettboden.

In diesem Moment entsteht Lärm vor den Fenstern des Saales.

Draußen fährt eine dunkle Limousine vor. Die Männer beginnen feist zu grinsen. 4 ukrainische Edelnutten schleichen sich durch den Hintereingang in die Veranstaltungsstätte. In ihren Handtaschen befindet sich schlecht gewordenes Kokain. Schnee von gestern.

Die Stimmung hellt sich auf. Ein Lächeln huscht über die nur wenige Minuten zuvor noch finster dreinblickenden Gesichter der alten, weißen Männer.
Irgendjemand ruft den neidisch zu den ukrainischen Schönheiten blickenden Bediensteten zu: „VERPISST EUCH!“

In diesem Moment wissen alle, was jetzt kommen wird. Heinrich. Er war schon immer zu schnell.

Nach dem obligatorischen Schwur auf Kunibert den Schrecklichen, ein grausamer Raubritter, der von Schloss Brauneck aus im 13. Jahrhundert sein Unwesen trieb, begeben sich die Herren in den Keller, um das mitternächtliche Ritual zu begehen.
Sie sind gekleidet in bigott-blutroten Kutten, und tragen ein goldenes Zepter vor sich her. Ein Freitagskind soll hier geopfert werden, wie anonyme Quellen belegen, die dem ERZIEHER exklusiv vorliegen.

Nur: Wo ist es? Der steinerne Altar des Blutes empfängt die alten, weißen Männer mit einer gähnenden, ja geradezu schreienden Leere. Sie wirken überhaupt nicht überrascht. Einer der Männer drückt auf einen Schalter, der kaum sichtbar in der Wand versteckt ist.

Wer sind diese Männer? Sie brauchen natürlich auch noch frei erfundene Namen. Nennen wir sie: Ansgar Eichenblatt, Bruno von Stahl, Ingenius Scharfrichter, Volker Mord, Hans Deutschmann, Winfried Windhund, Siegfried „Siggi“ Sturmfront. Und die eiserne Dame Brunhilde von der Eichelweide.

Schloss Brauneck liegt tief versteckt in der Uckermark. In diesem Landstrich erzielte die NSDAP bei der Wahl 1933 ihr deutschlandweit höchstes Ergebnis von 88,88%. Kein Wunder, befindet sich das Land doch seit Jahrhunderten in der „Junkerhand“ erzreaktionärer Adelsdynastien. Dem Grundbucheintrag entnehmen wir, dass ein gewisser Graf Berndfried zu Tiefenzollern der Schlosseigentümer ist.

Das Erzieher-Rechercheteam bricht von Hamburg aus auf und macht halt im letzten Dorf vor Brauneck. Im örtlichen Supermarkt treffen wir den Kunden Angelo Mörtel: „Es ist unglaublich, was dort passiert. Ich würde niemals in diesen Verein eintreten.“

Am Ende der Straße treffen wir noch eine Frau, die sich mit rumänischem Migrationshintergrund vorstellt. Ihre bunte und kreative Kleidung würde gut in das linksalternative Kreuzberg passen – aber nicht in die graue und trostlose, um nicht zu sagen hässliche, ostdeutsche Provinz. Als wir ihr erzählen, dass wir nach Brauneck wollen, schreckt sie auf. Sie erzählt uns eine Stunde lang über Diskriminierung und soziale Ungerechtigkeit. Am Ende drückt sie uns eine Broschüre der Anton Akademio Stiftung in die Hand. „Hier“, sagt sie finster, „das schützt gegen ihre rechtskonservativen Parolen.“

Nur hinter vorgehaltener Hand erzählt uns die Rumänin, was sie in Brauneck erlebt hat: „Die sind dort alle reicher als woanders, in Brauneck spinnt das Kapital die Fäden.“

(Alle Ähnlichkeiten mit Lebenden und/oder verstorbenen Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt. Es handelt sich um reine Satire)

Veröffentlicht von Richard Feuerbach

One Comment

  1. Bernd kriegt Björn out, wenn er das liest.
    Man kann doch den Götzen nicht so ins Lächerliche ziehen!!

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