Von Richard Feuerbach

Weltweit sind mit Stand von heute, dem 16.März 2020, rund 170.000 Fälle einer Infizierung mit den Corona-Virus Covid-19 (auch unter SARS-CoV-2 bekannt) erfasst.

Bisher sind nach offiziellen Angaben über 6500 Menschen an der Pandemie gestorben. In Deutschland zählt man aktuell über 5.800 Infizierte und 13 Todesfälle.

Diese Zahlen sind nur eine Momentaufnahme und werden sicherlich noch eine ganze Weile steigen. Zudem muss davon ausgegangen werden, dass sie nicht die tatsächliche Lage des heutigen Tages widerspiegeln. Es handelt sich zum einen lediglich um die „erfassten“ Fälle, zum anderen dürften die Zahlen auf Grund der Informationskette einen oder mehrere Tage hinterherhinken. Auch kann niemand mit absoluter Gewissheit sagen, ob es nicht bereits im Januar schon unerkannte und zwischenzeitlich auskurierte Conrona-Fälle in Deutschland und Europa gegeben hat. Die Immunität oder eine durchlittene Erkrankung lässt sich nicht testen.

Die Dunkelziffer der erkrankten, aber nicht getesteten Menschen, ist nicht seriös in Zahlen zu fassen. Man sollte jedoch davon ausgehen können, dass es eine erhebliche Anzahl an Menschen gibt, die das Virus in sich tragen, jedoch keine oder so leichte Symptome haben, dass sie nicht zum Arzt gehen, nicht getestet werden oder die Erkrankung bereits unerkannt überstanden haben.

Dazu kommt die Tatsache, dass Mediziner von Fall zu Fall entscheiden müssen, ob ein Patient getestet wird oder nicht. Diese Entscheidung hängt nicht nur von der Diagnose des behandelnden Arztes ab, sondern dürfte durchaus auch von der Verfügbarkeit an Tests geleitet werden.

Zwar gibt es in Deutschland ein vergleichsweise gutes und relativ flächendeckendes Netz an Laboren, welche die Testung durchführen können, diese müssen jedoch mit ausreichend Testmaterial versorgt werden. Hier kann es auf Grund der Vielzahl an Verdachtsfällen durchaus zu regionalen oder temporären Engpässen und Verzögerungen kommen.

Die benötigten Tests werden jedoch, entgegen mancher aktuell kursierenden Fakenews, nicht nur von einem einzigen Hersteller angeboten.

Es mag zwar der Wahrheit entsprechen, dass die USA derzeit eine hohe Zahl an Tests z.B. bei Schweizer Pharmaunternehmen ordern, welche deshalb vielleicht deutsche Labore nicht mehr oder in entsprechend geringerem Umfang beliefern, dies ist aber nicht gleichbedeutend mit einem ernsthaften oder dauerhaften Engpass. Dennoch sollte hier natürlich ein Auge drauf gehalten werden und eventueller Preistreiberei, durch eine erhöhte Nachfrage, entgegengewirkt werden.

Der Versuch das Pharmaunternehmen CureVac exklusiv für die USA zu vereinnahmen ist gescheitert. Das Unternehmen CureVac forscht zur Zeit an einem Impfstoff gegen das Coronavirus und hat dafür mehrere Millionen Euro Fördergeld von der Internationalen Impfstoff-Allianz CEPI („Coalition for Epidemic Preparedness Innovations“), deren Mitglied auch die Bundesregierung ist, erhalten.

CureVac will das Medikament selbst herstellen und der am Unternehmen beteiligte Dietmar Hopp hat dem Begehren von Donald Trump inzwischen eine deutliche Absage erteilt.

Die Nachrichten überschlagen sich täglich und von Stunde zu Stunde. Es werden immer drastischere Maßnahmen ergriffen.

Schulen, Kindergärten und Freizeiteinrichtungen sind bis zum Ende der Osterferien bereits geschlossen worden. Das öffentliche Leben ist zum Erliegen gekommen. Der Shutdown ist Realität geworden. Bayern hat nun gar den Katastrophenfall ausgerufen. Andere Bundesländer werden womöglich dem Beispiel folgen. Soziale Kontakte sollen weitestgehend vermieden werden, die Menschen werden aufgefordert so wenig wie möglich einkaufen zu gehen. Auch von Ausgangssperren wird derzeit viel geredet.

Das hält trotzdem oder wohl auch erst recht, viele Menschen nicht von Hamsterkäufen ab. Die Bilder von leergefegten Regalen und mehr oder weniger witzige Klopapier-Memes machen seit Tagen die Runde. Es wird immer wieder von Verantwortlichen aus Politik und Handel darauf hingewiesen, dass Hamsterkäufe nicht nötig sind und die Versorgung der Supermärkte gewährleistet ist. Aber durch die Hamsterkäufe kann es nun natürlich doch zu gewissen Verzögerungen bei der Lieferung neuer Waren kommen. Eine selbsterfüllende Prophezeiung. Ausgelöst durch Panik, die in dieser Situation gewiss der schlechteste aller Ratgeber ist.

Grenzschließungen, die nun plötzlich doch möglich sind und sogar durchgesetzt werden, sollten einen zwar Anbetracht der vorher für unmöglich erklärten Schließung der Grenzen verwundern, jedoch keinesfalls weitere Panik vor Versorgungsengpässen mit Nahrungsmitteln schüren.

Deutschland ist laut den Angaben des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft immerhin in der Lage sich zu 88% selbst mit Nahrungsmitteln zu versorgen.

Selbstversorgungsfähigkeit

Trotzdem sollten einem die dort verfügbaren Zahlen und Statistiken zu Denken geben. Denn es fehlen ja 12%, um die heimische Bevölkerung zu 100% mit Nahrungsmitteln aus eigener Produktion zu versorgen. Es müssen also mindestens 12% importiert werden.

Der Selbstversorgungsgrad könnte und müsste also um einiges besser sein, um auf Krisen wie diese Coronakrise vorbereitet zu sein. Auch stellt sich die Frage nach einer ausgewogenen Ernährung und Fähigkeit zur echten Selbstversorgung.

Die auf den Seiten des Bundesministeriums angegebenen Zahlen lassen Zweifel daran aufkommen, dass Deutschland wirklich zu 88% in der Lage ist, sich selbst zu versorgen.

Das näher betrachtete Beispiel der Entwicklung des Selbstversorgungsgrades bei Gemüse und Obst in Deutschland zeigt ziemlich deutliche Defizite auf. Anhand der angegebenen Zahlen wird klar, dass es hier eine erhebliche Unterversorgung gibt, wenn Lieferketten unterbrochen werden und beispielsweise auf Grund von Grenzschließungen der Import von Waren innerhalb der Europäischen Union gebremst oder gar verhindert wird.

Gemüseversorgung

Wir produzieren in Deutschland zwar einen Überschuss an Fleisch und Kartoffeln, sind aber bei vielen anderen wichtigen Nährstofflieferanten von Importen abhängig.

Zur Zeit stauen sich wegen der Grenzschließungen und faktischen Aussetzung des Schengener Abkommens sehr viele LKW an den innereuropäischen Grenzen. Wie viele davon Nahrungsmittel transportieren, darüber gibt es keine verlässlichen Angaben. Es ist aber sicher legitim zu vermuten, dass auch eine große Zahl davon in Deutschland benötigte Lebensmittel transportiert.

Fazit: Wir müssen wohl nicht befürchten wegen Corona zu verhungern, aber auf eine wirklich gesunde Ernährung müssten wir im schlimmsten Fall verzichten.

Die Folgen der Krise sind unüberschaubar. Aber es ist wohl jedem inzwischen klar, dass sie gravierend sein werden und selbst ein Vergleich mit der großen Finanzkrise des Jahres 2008 hinkt.

Noch weiß keiner genau, wie viele Menschen ihre Arbeit verlieren werden, wie viele Unternehmen trotz breiter Rettungsschirme und Aussetzung von Schuldenbremsen in die Insolvenz gehen werden.

Viele Wirtschaftswissenschaftler sehen die Welt bereits in der Rezession.

Wir erleben womöglich gerade den Anfang eines nie dagewesenen Chrashs. Selbst wenn es weniger schlimm als befürchtet endet, so ist Corona eine Zäsur, aus der wir unsere Lehren ziehen müssen und unser zukünftiges Handeln und eben auch Wirtschaften ableiten sollten.

Die derzeitige Krise hält uns vor Augen, wo die Probleme der Globalisierung liegen. Wir sind weltweit voneinander abhängig. Viel zu abhängig. Wenn überlebenswichtige Dinge wie Nahrung, Medikamente, medizinische Geräte, Schutzkleidung, technische Komponenten u.a. nicht produziert werden können bzw. nicht verfügbar sind, weil Lieferketten unterbrochen werden, dann hat das katastrophale Auswirkungen.

In den letzten Jahrzehnten wurde die Globalisierung wie ein Fetisch vorangetrieben, Produktionsstandorte wurde verlagert, der Grad der Abhängigkeiten hat sich vervielfacht.

Nun spüren wir erstmals nicht mehr nur die positiven Auswirkungen. Jetzt treffen uns die negativen Auswirkungen mit voller Wucht und werden für manchen zur Existenzbedrohung.

Jetzt haben wir aber auch eine große Chance.

Durch den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Shutdown könnten die Menschen und Familien nun auch wieder stärker zusammenrücken. Solidarität üben, statt mit den Ellenbogen und dem Portemonnaie zu agieren. Wir könnten die folgenden Wochen dafür nutzen, mal wieder zur Besinnung zu kommen. Uns Gedanken über die Egoismen und Kaufräusche zu machen, die der „Markt“ und der daraus resultierende Markt der Eitelkeiten so mit sich bringt. Wir sollten uns endlich alle mal wieder erden und versuchen herauszufinden, was das wirklich Wesentliche im Leben ist und wie wir in Zukunft leben wollen.

Um es klar zu formulieren und fordern:

– Zur Besinnung kommen

– Menschliches Miteinander und Solidarität fördern

– Globalisierung auf das Notwendige beschränken

– Systemrelevante Produktionsstätten zurück ins eigene Land holen

– Regionale Landwirtschaft und Produktion erheblich fördern

– Selbstversorgungsfähigkeit vollumfänglich herstellen

Je mehr regionale Produkte wir konsumieren, desto weniger muss rund um die Welt transportiert werden und desto besser ist das für die Umwelt und das Klima.

Wenn wir statt mit Mangelwaren, mehr mit echten Überschüssen Handel treiben würden, dann hätten wir eine ganz andere Art von Wertschöpfung und Mehrwert als wir es bisher kennen und gelehrt bekommen. Es geht eben nicht nur um Kapitalismus vs. Sozialismus. Es geht um ein lebenswertes Leben.

Veröffentlicht von Richard Feuerbach

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