Von Alfredo Cebandt

Ich war gerade mit wichtigen Dingen beschäftigt. Nachdem ich alle Tapetennähte gezählt hatte, widmete ich mich der Aufgabe, die Leckerlies meines Katers nach Größe zu sortieren, als es plötzlich an der Tür klingelte. Ein wenig ungehalten über diese unerwartete Störung öffnete ich die Tür und blickte auf eine merkwürdig aussehende Mischpoke von bevölkerungspolitischen Blindgängern.

„Kann ich etwas gegen Sie tun, oder schaffen Sie das alleine ?“, fragte ich nicht gerade höflich.

Ein Mann löste sich geschickt aus der Menge (man muss wissen, dass vor meiner Haustür nicht sehr viel Platz ist) und stellte sich vor:

„Guten Tag, Herr Cebandt. Kwiatkofski-Petrolaschnek ist mein Name. Das schreibt sich übrigens mit einem Bindestrich. Wir (und er machte dabei eine umfassende Geste in Richtung seiner Begleiter) sind die deutsche Bundesregierung und sind gekommen, um Ihnen unseren tiefempfundenen Dank auszusprechen.“

„Ach ja ?“ erwiderte ich ein wenig überrascht „und wofür genau wollen sie mir danken ?“

„Nun, uns ist zu Ohren gekommen, dass sie in beispielloser Art und Weise für Ihr Alter selber vorsorgen. Soweit wir wissen, haben Sie sage und schreibe drei Rentenversicherungen und darüber hinaus sparen Sie jeden Monat einen nicht unerheblichen Betrag.“

„Das ist richtig“, erwiderte ich „aber das geht sie im Grunde einen feuchten Furz an.“

Der Typ straffte sich in seinem nur mäßig gut sitzenden Anzug und seine Krawatte, die vermutlich ein Farbenblinder ausgesucht hatte, wehte ein wenig hin und her. Dann sagte er zu mir:

„Unser Dank gilt hauptsächlich Ihrem umsichtigen Verhalten. Dadurch, dass Sie sich um alles selber kümmern, ersparen Sie uns, der deutschen Bundesregierung, die Mühe, uns wirklich mal um eine solide Rentenpolitik zu kümmern. Somit können wir uns auch weiterhin mit jedweden anderen Kram beschäftigen, der alles hat, nur eben keinen Nutzen für das deutsche Volk. Nehmen Sie dafür nochmals unseren allerherzlichsten Dank entgegen.“

„Ja ja , schon gut“ erwiderte ich und fügte hinzu „und jetzt haben sie bitte die Freundlichkeit, sich allesamt vom Grundstück zu subtrahieren und ein paar Löcher in der Atmosphäre zu hinterlassen. Ich bin beschäftigt.“

Ich ballerte diesen ausgelutschten Cognacflippern die Tür vor der Nase zu und hörte noch, wie sie beim Verlassen des Grundstückes verhaltene Lobeshymnen auf mich sangen.

Damit, so dachte ich zumindest, sei der Fall erledigt und ich könnte mich in Ruhe wieder der Vermessung von Spalten im Laminatboden widmen.

Weit gefehlt !

Nach ca. 20 Minuten klingelte es wieder an der Tür !

Ich ging hin, riss die Tür auf und wollte gerade etwas Unfreundliches loswerden als mir auffiel, dass es sich dieses Mal um eine anderen Zusammenballung überschüssiger Urschlammrestbestände handelte. Der ganze Verein machte einen etwas ärmlichen Eindruck und in mir stieg die leise Befürchtung hoch, dass sie für irgendeine Sache Geld sammeln wollten.

„WAS ??“ fragte ich in einer Lautstärke, die den frisch gepflanzten Bäumen im Garten die Blätter aus dem Geäst trieb.

„Bitte verzeihen Sie die Störung“ ließ sich einer der unerwünschten Besucher vernehmen „Aber wir sind die deutsche Wirtschaft. Wir hätten da ein großes Anliegen.“

„So so … sie haben einen anliegen“ erwiderte ich „macht nichts. Meiner steht auch nicht die ganze Zeit. Was ist ihr Problem ?“

„Es geht um Ihre Art und Weise, wie Sie der deutschen Wirtschaft Geld entziehen.“

„WIE bitte ??“ blökte ich diesen offensichtlich schwachsinnigen an. „Kann es sein, dass Sie als Kind in einem zu stark schadstoffbelasteten Sandkasten gespielt haben ??“

Er sank langsam auf die Knie und seine Stimme hatte etwas flehendes:

„Herr Cebandt. Uns ist zu Ohren gekommen, dass Sie in drei Rentenversicherungen investieren und darüber hinaus jeden Monat viel Geld auf die hohe Kante legen.“

„Ja. Ist mir auch bekannt. Haben Sie ein Problem damit ?“

„Ja, haben wir. Und zwar ein sehr großes. Bitte, Herr Cebandt, unterlassen Sie es, der Wirtschaft Geld vorzuenthalten und KONSUMIEREN Sie. BITTE !!.
Wenn Sie auf Ihrem Geld sitzen bleiben, dann geht es uns schlecht und wir laufen Gefahr, die Boni der DAX-Vorstände kürzen zu müssen. Wollen Sie das wirklich verantworten ?
Denken Sie bitte auch an all die Wirtschaftskapitäne, die jetzt nur wegen Ihrer Sparsamkeit von ihren Luxusjachten auf Segelboote umsteigen müssen. Sie verdammen diese Leute zur Armut.
Wollen Sie das ? WOLLEN SIE DAS ??“

Ich überlegte ungefähr eine Quadrillionstel Sekunde und antwortete: „Ja, will ich !“

Danach zeigte ich dem ganzen Haufen, wie man unter Auslassung einer Treppe wieder vom ersten Stock ins Parterre kommt.

„Das Aufschlaggeräusch habe ich dann aufgenommen und als neuen Klingelton in mein Handy geladen“

Veröffentlicht von Richard Feuerbach

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