Von Richard Feuerbach

Der sogenannte Distanzunterricht ist eine Katastrophe für Eltern, Lehrer und vor allem für unsere Kinder. Er ist ein einziges Armutszeugnis für Deutschland, die Digitalisierung und ganz besonders für die Verantwortlichen.

Ich bin zur Hälfte alleinerziehender Vater zweier Schulkinder, die in die 5.Klasse und 8.Klasse gehen. Seit März 2020 arbeite ich täglich bis zu 10 Stunden im Homeoffice. Nebenher betreue ich meine Kinder in allen Lebenslagen. Doch aus dem Nebenher ist inzwischen ein zweiter Vollzeitjob geworden.  Als Lehrer, Systemadministrator, Einkäufer, Koch, Bewegungsmotivator, Medienzensor und psychologischer Coach meiner Kinder.

Beim ersten Lockdown der Schulen habe ich ja noch die Füße still gehalten und die Zustände als neue, unabänderliche Erfahrung hingenommen. 

Jetzt aber, fast ein Jahr später, platzt mir langsam doch der Kragen.

Die Schule meiner Tochter hält ihren Distanzunterricht in diesem zweiten Schullockdown mittels Jitsi als Videokonferenz. Die Unterrichtsmaterialien werden sowohl über Moodle als auch über Padlet bereitgestellt. Dennoch schicken diverse Fachlehrer ihre Aufgaben weiterhin oder auch einfach nur zusätzlich als Absicherung per Email. Seit Montag erreichen mich täglich zwischen 5 und 10 Emails mit jeweils 1-10 Anhängen, der verschiedensten Dateiformate. PDF ist hierbei das den versendenden Lehrerinnen und Lehrern am wenigsten geläufige Format. Vom schlechten Handybild als JPEG bis zu aufwendig und liebevoll gestalteten Dokumenten im Word-Format ist alles dabei.

Das heißt alleine für meine Tochter gilt es 4 Plattformen zu beachten und zu bedienen. Viele Arbeitsblätter müssen vor der Bearbeitung ausgedruckt werden und anschließend mittels Handy und der App MS Office Lens abfotografiert, in PDF-Format konvertiert und dann entweder hochgeladen oder als Email an die Lehrenden verschickt werden.

Man kann sich wohl vorstellen, dass eine 10jährige das nicht alleine kann.

Mein Sohn nutzt nach einem Datenschutzdiskussionschaos für den Distanzunterricht das Tool MS Teams, leider ohne Videoübertragung, sondern nur Audio und er darf dabei 8 Stunden täglich diversen Präsentationen der Lehrerinnen und Lehrer „lauschen“. Immerhin hat er seine Arbeitsblätter und Aufgaben inkl. eines Kalenders auf dieser einen einzigen Plattform. Manko ist eben, dass man sich nicht sieht bzw. nur die Lehrerin einseitig per Video überträgt und so die Lehrerinnen auch nicht sehen können, ob die Kinder aufmerksam sind oder wie bei vielen leider heutzutage üblich, an ihren Handys rumdaddeln. Ebenso sehen die Kinder natürlich auch nicht sich selbst untereinander. Da es, wie man weiß verschiedene Lerntypen gibt, ist das also für die visuellen Typen eine eher suboptimale Angelegenheit.

Fasse ich also mal zusammen: Als Vater darf ich nun also 5 verschiedene Tools (inkl. Email, Druck und Scan) auf 2 Rechnern administrieren und Arbeitsinhalte und deren Erledigung kontrollieren. In Summe benötige ich dabei täglich ca. 3 Stunden. Da die Lerninhalte bei dieser Art des Unterrichts oft nicht so vermittelt werden können, dass es auch jedes Kind versteht, werde ich unzählige Male am Tag aus meiner Homeoffice-Arbeit rausgerissen und stehe den Fragen meiner Kinder zur Verfügung. Ob es nun nur eine kurze Frage ist oder das Erklären eines komplexeren mathematischen Zusammenhangs oder englische Grammatik, in der ich übrigens leidlich bewandert und ziemlich lange raus aus der Schule bin.

Als wenn das noch nicht genug wäre, kann ich meine Kids jetzt auch noch auf Microsoft Word schulen. Das ist ungefähr so leicht wie bei manchen Rentnern. Ohne diesen jetzt damit was Böses zu wollen. Meine Kinder kommen mir langsam vor wie Arbeitskollegen oder Azubis im Nachbar-Büro.

Täglich kämpft man sich durch ein Chaos der Unklarheiten. Überall gelten andere Regeln. Nicht nur in Bundesländern, nein, jede Schule ist gezwungen ihr eigenes Süppchen zu kochen und wurschtelt sich durch die Pandemie.  

Es gibt keine White-List für vertrauenswürdige Lernplattformen. Es gibt jede Menge datenschutzrechtliche Bedenken. Es ist unklar ob und wie Lehrerinnen und Lehrer die Leistungen der Schülerinnen und Schüler überhaupt bewerten sollen und können. Es lastet ein enormer Druck auf Kindern, Lehrenden und Eltern. All die negativen Nebeneffekte finden dabei keine oder kaum Berücksichtigung.

Den Kindern fehlt frische Luft.

Das liegt nicht nur an den Versäumnissen in Sachen Luftfiltern. Als es noch Präsenzunterricht gab und die Chance, diesen beizubehalten.

Der Austausch mit Freunden fehlt. Echte Begegnungen. Sie verkümmern auf sozialer Ebene zunehmend.

Kinder werden zu Avataren.

Eltern müssen sich bemühen irgendeine Art der Tagesstruktur aufrecht zu erhalten oder neu zu erfinden.

Lehrerinnen und Lehrer wurden und werden von den zuständigen Behörden und Ministerien im Stich gelassen. Sie erfahren weiterhin als erstes über die Presse, was ansteht. Die Informationspolitik der Kultusministerien ist ein Desaster. So müssen sie hektisch immer wieder neue Pläne entwickeln, Unterricht irgendwie digitalkonform gestalten lernen und verlieren dabei immer mehr den Kontakt zu den Kindern. Nebenbei müssen sie sich den Kopf darüber zerbrechen, wie sie an Noten kommen können. Da wird aus sonst eher mündlich orientierten Fächern schnell mal ein reines, nicht mehr sonderlich viel Spaß machendes Hausaufgabenfach. Das Lernen wird den Kindern verleidet. Ich muss nicht erwähnen wie demotivierend es für Kinder sein kann, wenn sie nur noch zuhören, in ein Mikrofon sprechen und schreiben können.

Und dann kommt noch erschwerend hinzu, dass viele Lehrerinnen und Lehrer offenbar immer noch digitale Analphabeten oder Digitalverweigerer sind. Nicht alle, es gibt viele, die fit sind im Umgang mit IT. Aber viel zu viele sind eben nicht oder mehr als unzureichend geschult, verfügen über veraltetes Wissen oder veraltete Hardware. Wenn man z.B. MS Teams nutzt, aber dann zu bearbeitende Arbeitsblätter als JPEG und nicht als PDF auf eine Plattform stellt…dann weiß ich echt nicht, ob ich lachen oder in die Schreibtischkante beißen soll.

Tja…davon das neuerdings von jedem Haushalt mit Kindern quasi erwartet wird, dass man 5 Laptops und 3 Tablets hat, möchte ich gar nicht erst anfangen. Bei uns sieht es so aus: Die Mutter (getrennt lebend im Nestmodell) braucht einen Rechner für das Homeoffice, ich brauche einen Rechner für das Homeoffice und 2 Kinder ebenso. Also 4 Rechner. Welch ein Segen, dass wir uns hier ein kleines Rechenzentrum leisten können.

Was aber machen Familien, die sich das schlicht nicht leisten können? An den Schulen meiner Kinder besteht immerhin mittlerweile die Möglichkeit sich alte Schrottmühlen auszuleihen. Wirklich Geld oder zeitgerechte Hardware ist dort jedoch bisher nicht angekommen. Man schafft es dank der Spenden aus der Elternschaft. Die 3 IPads, die man bekommen hat, reichen nicht für 100 bedürftige Kinder aus Hartz4-Familien.

Lehrerinnen und Lehrer müssen enorm viel ausbaden. Eltern ärgern sich und schimpfen oft auf die Lehrkörper. Sie übersehen in ihrer eigenen Not, dass wir alle Opfer einer desaströsen Bildungspolitik sind und eigentlich im selben Boot sitzen.

Die Damen und Herren in den Schulämtern, die Damen und Herren in den Ministerien müssen endlich echte Pläne und einheitliche, klar verständliche und vor allem für alle geltende Vorgaben und Details mit den Betroffenen abstimmen. MIT den Betroffenen. Nicht über sie hinweg.

Das Chaos muss endlich mal aufhören.

Was jedenfalls in Sachen Homeschooling seit diesem Montag, im erneuten Schullockdown abgeht, GEHT GAR NICHT!!! Das wildgewachsene Potpourri aus Plattformen, Hardware und Software, die Anforderungen an alle Beteiligten, das alles ist ein Wahnsinn.

Als Vater leiste ich seitdem neben meinen 10 Stunden Homeoffice, wie bereits gesagt, noch zusätzlich weitere 3 Stunden Arbeit täglich, nur damit das Homeschooling halbwegs stabil läuft.  Die Kinder hocken 8 Stunden mehr oder weniger aufmerksam vor ihren Rechnern.

Wir können nicht mehr lange durchhalten. Wir sind körperlich, mental und seelisch bereits jetzt alle ziemlich am Ende. Meine eigene Arbeit leiste ich inzwischen auch um 23:00 Uhr noch, da ich während des Tages immer wieder rausgerissen werde und das Pensum anders nicht mehr zu schaffen ist. Das kann nicht sein.

Mir reicht es jetzt. Dieser Distanzunterricht ist mit meinem Job leider nicht vereinbar. Ich kann da nicht mehr mitwirken.

Lehrerinnen und Lehrer müssen jetzt endlich gemeinsam mit Kindern und Eltern aufstehen und den Verantwortlichen deutlich die rote Karte zeigen!

Distanzunterricht ist m.E. nur tragbar, wenn er so gestaltet werden kann, dass Kinder in der Lage sind sich selbst ohne viel zusätzlichen Stress zu organisieren und die Technik auch funktioniert. Das Lernplattformen wegen Überlastung ausfallen ist ja leider nur einer von vielen Knüppeln, den man zwischen die Beine bekommt.

Eltern, noch dazu wenn sie berufstätig sind, können jedenfalls nicht den Job von Pädagogen und Systemadministratoren übernehmen. Auch nicht für einen befristeten Zeitraum. Wie lange das alles noch so geht, steht ohnehin in der Sternen.

Last but not least empfinde ich es nahezu als Kindeswohlgefährdung, dass man Kinder 6-8 Stunden am PC, an ergonomisch nicht den Anforderungen der Arbeitswelt entsprechenden Arbeitsplätzen, arbeiten lässt, ihnen per Verordnung sämtliche Freizeit- und Sportaktivitäten nimmt, sie sozial separiert, mit Aufgaben bisweilen völlig überfrachtet und sich niemand die Zeit nehmen kann, ihnen ihre Fragen 1:1 zu beantworten. Wir lassen unsere Kinder alleine. Die Spätfolgen sind unabsehbar. Der Leistungs- und Wissensabsturz ist vorprogrammiert.

Das Schuljahr ist verloren.

Man sollte wenigstens bis zur Klasse 9 die Notenvergabe aussetzen und sich darüber Gedanken machen, ob man nach einer Lernstanderhebung nicht einfach das aktuelle Schuljahr für alle wiederholt.

Wenn jetzt nicht endlich etwas passiert, dann sollten Eltern und am besten auch Lehrerinnen und Lehrer langsam aber sicher in den Streik treten.

Ich jedenfalls habe die Schnauze voll von einer Politik, die nur Phrasen von Solidarität und Gemeinsamkeit drischt, weltfremdes  Zeugs aus dem Elfenbeinturm labert und planlos per Verordnung von oben herab das Wahlvieh und dessen Kinder gängelt.

Veröffentlicht von Richard Feuerbach

15 Comments

  1. Andrés Ramos-Jiménez 14. Januar 2021 um 19:44

    Ein sehr guter Artikel der klar darlegt wie sich dieser Lockdown anfühlt und was er anrichtet. Für mich offenbart sich im Handeln unserer Regierung eine geradezu unfassbare Lebensdistanz und Gleichgültigkeit gegenüber denen die sie vorgeben zu schützen.

    Ebenfalls unerträglich ist die moralische Geiselhaft, welche 83 Mio. Menschen dazu zwingt aus Solidarität einen existenziellen, seelischen und sozialen Tod zu sterben wegen und mit den echten Coronatoten.
    Jede Frage nach der Verhältnismäßigkeit ist hier verboten wegen der moralischen Verpflichtung den Toten gegenüber. Eine bizarre und perverse Sichtweise welche an das von Buße, Strafe und religiösem Sendungsbewusstsein geprägten Mittelalter erinnert.

    Abgesehen vom völligen Versagen der Anti Coronamaßnahmen würde ich der Regierung nur eine einzige Frage stellen, „Gibt es eigentlich irgendeine Grenze, irgendein inneres Korrektiv, das sie nicht überschreiten würden, irgendeine Qual die sie den Menschen dieses Landes nicht aufbürden würden, irgendetwas das sie nicht bereit sind zu zerstören, irgendein von ihnen verursachtes Trauma das ihnen doch zu grausam erscheint um vielleicht 100.000 Menschen ein etwas längeres Leben zu ermöglichen?“

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  2. Vielen, vielen Dank für diese klaren Wort. Sachlich ist dem was Sie schreiben nichts hinzu zu fügen. Wir sind eine Familie mit vier schulpflichtigen Kindern und erleben dieses Disaster in genau dieser Form Tag für Tag….
    Bitte lassen Sie mich Ihre Worte aufgreifen und an alle Betroffenen appellieren, endlich Ihre Stimmen zu erheben und klar darauf hinzuweisen, was hier eigentlich los ist. So geht es jedenfalls nicht weiter!

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  3. tobiasfoersterd882a35ae2 16. Januar 2021 um 7:55

    Vielen Dank für diesen ausgesprochen lesenswerten Brandbrief. Ich habe nur eine kleine Tochter, die zum Glück noch nicht schulpflichtig ist. Da braucht es Erfahrungsberichte wie den Ihren, um auf das eigentlich Offensichtliche hingewiesen zu werden.

    Ich habe mir beispielsweise nie die Frage gestellt, wo Eltern mit mehreren Kindern eigentlich die ganzen Laptops für den Digitalunterricht hernehmen sollen. Dank Ihnen bin ich nun — nicht nur in diesem Punkt — um einiges klüger!

    Es bleibt zu hoffen, dass Stimmen wie die Ihre auch in der Politik endlich Gehör finden. Ich befürchte aber, dass es bei der Hoffnung bleibt.

    Ich wünsche Ihnen daher alles Gute für die vor uns liegenden Monate und dass Sie und Ihre Familie den ganzen Wahnsinn gesund und vor allem ohne ernste psychische Blessuren überstehen!

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  4. Danke für diesen Beitrag. Er deckt sich mit unseren Erfahrungen.

    Wir haben „nur“ ein schulpflichtiges Kind, dafür aber noch ein Kindergartenkind, dass sich nicht mit Arbeitsblättern abspeisen lässt, sondern bitte von einem Menschen betreut werden möchte. Aus Fleisch und Blut. Die einzige Alternative besteht darin, das Kind vorübergehend vor dem Fernseher zu „parken“, um in der Zwischenzeit etwas erklären zu können.

    Davon abgesehen greift dieser Distanzunterricht massiv in unsere Erziehung ein. Selbst einen Computer zu bedienen, unbeaufsichtigt mit Chat-Funktionen allein gelassen zu werden, selbstständig im Internet recherchieren – das sind Dinge, die wir unserer 11jährigen Tochter absichtlich nicht beigebracht haben. Das muss kein Kind mit 11 können. Kinder müssen anfassen, fühlen, begreifen, erleben – Bildschirme sind Gift, von der Ergonomie ganz schweigen. Ich finde es unverschämt, dass wir unserer Tochter diesen ganzen Kram im Schnellkurs beibringen mussten und sie dies nun stundenlang auf ungewisse Zeit nutzen soll.

    Aber welche Möglichkeiten haben wir?

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  5. als „echte“ homeschooler (in ö) möchte ich darum bitten, dieses desaströse „distance learning“ als solches zu benennen und nicht fälschlicherweise als „homeschooling“ zu bezeichnen. vielen dank.

    und danke für diesen exakten bericht, auch hier geht es den kindern und eltern im distance learning leider nicht besser.

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  6. Hanna Golinska 21. Januar 2021 um 18:44

    Vielen Dank für diese Aussagen. Es tut gut zu wissen, dass es auch andern Familien so geht.

    Wir sind eine Familie mit 3 Schulkindern in 3 verschiedenen Schulen.
    Mein Mann geht (noch) in die Firma, ein Homeoffice wäre nicht möglich parallel zu home schooling.
    Tja und ich? Ich bin leider in der Kurzarbeit und kümmere mich um: home schooling, home cooking, home shopping, home putzing……etc.

    Ich will nur noch schreien….ICH KANN NICHT MEHR…..HILFE!

    Wir kommen kaum noch raus. Frische Luft? Bewegung? ….tssss Fehlanzeige…Wir sind den ganzen Tag mit der Schule beschäftig.
    Wir sind angespannt und genervt.

    Wir alle gehen kaputt, egal wie….seelisch und körperlich…ich will das alte Leben wieder, die Normalität, …wie lange noch?…was soll das ganze Lockdown bringen…?
    Was wird aus unseren Kindern…?

    Herr Feuerbach, Sie haben das ganze Drama sehr gut zusammengefasst, bravo!

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  7. Echt toll geschrieben und völlig der gleichen Meinung

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  8. Ein wirklich sehr guter Bericht über den täglichen Wahnsinn im „homeschooling“ und in der „Heimarbeit“.
    Mir ergeht es ähnlich. Ich habe zum Glück, muss man leider schon sagen, nur ein Kind. Aber nicht nur das tägliche Lernen, abarbeiten von Aufgaben, erklären des Stoffs, was ich beweitem nicht so kann, wie der Pädagoge, kommt tagtäglich die Motivation des Kindes dazu. Ständige Diskussionen darüber, doch bitte die Aufgaben zu erledigen, damit wir diese am Freitag der Lehrerin zur Verfügung stellen können. Wohlgemerkt per Foto und per WhatsApp und nicht über Computer, nein so weit ist unsere Schule, leider, immer noch nicht.
    Die Kinder sind einfach des „homeschoolings“ müde, sie und auch wir als Eltern, können diese Aufgabe nicht länger bewältigen.
    Die Kinder wollen zur Schule, sie brauchen den Umgang mit ihresgleichen, die sozialen Kontakte.
    Ich bin genauso der Meinung, dass einheitlich für alle Kinder dieses Schuljahr wiederholt werden müsste!

    Alles in allem komme ich leider wieder zu dem Fazit, dass Deutschland ein kinderunfreundliches und kinderfeindliches Land ist.
    Dies bestätigt sich in dem langen Zeitraum der „Pandemie“ immer und immer wieder.
    Und wenn sich Frau Merkel hinstellt und sagt, sie quält nicht unsere Kinder….
    Dann sage ich:“ Doch Frau Merkel, genau das tun sie! Und sie kommen der Fürsorgepflicht, die unser Staat gegenüber seinen Kindern hat, nicht nach!

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  9. Kann ich nur unterschreiben. Auch ich bin im Home Office und betreue nun einen 1st-Klässler und ein KIGA-Kind nebenbei. Unsere Lehrerin ist zwar super engagiert und alles ist sehr gut und strukturiert, aber wer glaubt, dass ich in der Zeit viel arbeite, der täuscht sich! Man kann nicht auf kleine Kinder aufpassen, mit ihnen lernen und zudem seinem Beruf nachgehen. Nachdenken und Konzentration im Job Fehlanzeige. Das geht nur wenn die Kids im Bett sind. Natürlich gehen die mittlerweile auch etwas später ins Bett, da man sich umgestellt hat…d.h. oft sehr spät am Abend arbeiten…die psychische Belastungsgrenze ist schnell erreicht, man schreit seine Kinder an, weil sie gerade im Meeting stören, im Meeting ist man abwesend, weil man nebenbei ein weinendes Kind tröstet, etc.
    Abgesehen davon, dass meine Kids nun auch sämtliche Filme kennen, in Youtube jedes noch so blöde Video angeschaut wird und Spielzeug nur noch uninteressant ist, frage ich mich schon heute, was wohl aus ihnen werden soll? Und ja, ich muss sie vor diese ganzen Medien setzen, ansonsten kann ich meinen Job gleich kündigen.
    Ich habe Verständnis, dass wir die Zahlen runterbringen müssen, aber warum nicht die Altenheime schließen und die Älteren schützen? Warum müssen denn die Kinder zuhause bleiben, die in 99 % aller Fälle nicht ins KKH müssen, wenn sie sich infizieren? Ich weiß nicht, warum die Politik das nicht hören will?

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  10. Habe einen ähnlichen offenen Brief ans bayerische Kultusministerium geschrieben und sogar eine 4seitige Antwort erhalten. Leider war diese nichtssagend und geändert hat sich auch nichts!
    Mein Brief:

    Offener Brief an die Staatsregierung
    Sehr geehrter Ministerpräsident Dr. Markus Söder, sehr geehrter Prof. Dr. Michael Piazolo,
    Corona stellt uns alle vor neue Herausforderungen, welche es zu meistern gilt. Aber auch Chancen sind damit verbunden, welche es zu ergreifen gilt. In der Wirtschaft ist dabei jede Firma weitestgehend ihres eigenen Glückes Schmied. Bei der Schulbildung hingegen verhält sich dies anders. Es gibt eine Schulpflicht, es gibt einen Lehrplan, es gibt diverse Gesetze, die vieles Regeln. Auf den Wegfall des gewohnten war jedoch niemand vorbereitet.
    Die Lehrkräfte leisten, was sie können. Das ist an jeder Schule und von Lehrer zu Lehrer unterschiedlich. Gleiches gilt für die Eltern. Unser Sohn ist in der ersten Klasse, also sind wir dem HomeSchooling inhaltlich gewachsen, didaktisch hoffen wir es. Jedoch gibt es auch andere Eltern, die sich in einem anderen sozialen Umfeld bewegen oder Migrationshintergrund haben und sprachlich der Thematik nicht gewachsen sind.
    Aber gerade in der Schulzeit werden viele Weichen gestellt. In der ersten Klasse ist sicher wichtig, den Kindern Lust auf Schule zu machen, nicht diese zu nehmen. Doch das ist aktuell der Fall! Ich wünsche mir, dass meinem Kind gerade jetzt gezeigt wird, wie man sich auf neue Situationen einstellt, wie man umdenkt, wie man auch dabei Spaß haben kann. In meinem beruflichen Umfeld hat sich hier viel bewegt, Meetings finden online mit Webcam statt, HomeOffices wurden eingerichtet, neue Märkte erschlossen, Produktionen umgestellt.
    Schulisch, gab es „Hausaufgaben“ als Wochenplan. Didaktische Aufbereitung? Elternsache! Dann kam der Versuch eines Onlineunterrichts. Das gewählte Tool ist eher weniger optimal dafür, die Art des Unterrichts nicht geeignet, die technischen Basics mangelhaft, die Einweisung für Eltern nicht existent, der Lerneffekt? Unser Sohn weiß nun, dass Onlineunterricht „doof“ ist. Nicht gerade der richtige Start in der ersten Klasse für ein onlinebasiertes Leben.

    Sollte ich nun den Eindruck erwecken, mit unserer Schule, unseren Lehrkräften unzufrieden zu sein, möchte ich dies verneinen. Die Lehrkräfte haben weder im Studium, noch später gelernt, einen geeigneten Onlineunterricht auszuarbeiten. Ich bin unzufrieden mit dem Krisenmanagement auf ministerieller Ebene! So gut das allgemeine Krisenmanagement in Bayern gemeistert wird, so schlecht ist das des Kultusministeriums! Als vorausbenannter Örtlicher Einsatzleiter mit entsprechender Einsatzerfahrung kenne ich sehr wohl die Arbeit in Krisensituationen und weiß nicht nur um die Probleme, sondern auch um die Möglichkeiten. Diese wurden vom Kultusministerium nicht erkannt, die Schüler wurden im Regen stehen gelassen. Meine Note für die Gesamtleistung der „Krisenarbeit Kultus“: 6!
    Möglichkeiten gibt es viele! Lernen sie von der Sendung mit der Maus, die dürften sie alle schon mal gesehen haben. Ich weiß von einem Lehrer der dies gemacht hat. Er hat den zu vermittelnden Stoff in schöne, kurzweilige Lehrvideos gepackt und diese seiner Klasse zur Verfügung gestellt. Das erwarte ich nicht von allen Lehrern, nein, das erwarte ich in Krisensituationen mit Bayernweiten Vorgaben vom Kultusministerium! Sie kennen den Lehrplan, sie kennen die benutzten Lehrmittel (Grundschulen arbeiten nicht nur in Coburg mit „Mimi“), sie könnten in kürzester Zeit einen Medialen Unterricht mit Fachkräften erstellen und zur Verfügung stellen. Professionell aufbereitete Kurzclips zu den vom Lehrplan vorgegebenen Themen. Alle Schüler könnten dann vom gleichen gut aufbereiteten Stoff profitieren und die Lehrkräfte hätten Zeit, Schüler individuell zu betreuen und fördern.
    Bei uns soll nun (zum 18.05.) der Unterricht wieder starten. Die Klasse wird geteilt in zwei Gruppen. Die zweite Gruppe darf von 11:00 – 13:30 Uhr in die Schule. Ein Zeitfenster wider biologischer Uhr, wider bekannter Lernkurven. Warum lernt die Wirtschaft in Krisen zu agieren, das Ministerium hingegen ist nicht in der Lage etwas Sinnvolles beizutragen? Die fehlende Agilität und Aktivität des Kultusministeriums demotiviert eine gesamte Generation!
    Es ist nicht zu spät, aber bitte kommen sie endlich in die Pötte und werden ihrem Bildungsauftrag gerecht. Wir als Familie stemmen unseren Alltag weiter, ich gehe arbeiten und meine Frau ist als vierfache Mutter auch noch Putzfrau, Kindergärtnerin, Lehrerin, Köchin, etc. Es wäre gut, wenn wir nicht auch noch die Didaktik selber erarbeiten müssen. Werden sie ihrem Bildungsauftrag endlich gerecht!
    Ingolf Stökl

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  11. Vielen Dank für die wahren und treffenden Worte!!! Ich kann glücklicherweise noch auf Arbeit gehen, aber wenn ich gegen 16.00 Uhr zu Hause bin wird kontrolliert, erklärt, berichtigt und nach neuen Aufgaben im Netz geguckt und manchmal gesucht. Da gehen auch locker 3 Stunden rum. Der ganze Haushalt bleibt liegen, man ist unzufrieden, die Kinder wollen am Nachmittag lieber ihre Freunde treffen und wir Eltern mal ne Stunde für uns. Das alles zieht kurz über lang psychische Schäden nach sich, das Erwachen darüber wird groß sein. Hoffentlich ist da dann Hilfe für die Betroffenen da. Und hoffentlich weiß man später noch, wenn unsere Kinder ins Arbeitsleben treten, dass manches Unwissen unserer jetzigen Kinder diesem Irrsinn geschuldet ist. Hoffentlich wachen noch mehr Leute auf.

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  12. Ich kann dir in allen Punkten zustimmen. Ich bin Mutter von Zwillingen (8.Klasse) und der Distanzunterricht ist eine Katastrophe. Unsere Schule hat nur eine Website und auf dieser ein Portal, wo Aufgaben je nach Fach hochgeladen werden. Wir werden jeden Sonntag gegen späten Nachmittag voll gebombt mit Aufgaben, die irrwitziger Weise sogar eine Zeitvorgabe enthalten. Diese ist bei Neustoff nicht einzuhalten. Die Hälfte der Aufgaben muss abgegeben werden und wird dann benotet. Ich und mein Mann gehen arbeiten und versuchen die Kinder noch zu unterstützen. Es ist purer Stress, der Tag endet meist nach 22.00 Uhr. Und irgendwie dreht sich das Hamsterrad für mich persönlich immer schneller. Lange kann ich das nicht mehr. LG Romy

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  13. Vielen Danke für diese wahren Worte.
    Sie sprechen damit genau das an was mittlerweile vielen Eltern auf der Seele liegt.
    Danke, danke, danke
    Hoffentlich lesen das auch einmal die richtigen Leute wie Herr H….aus Thüringen, der die Schulen ja noch bis Ostern geschlossen halten möchte.

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  14. Danke ! Unterschreibe ich soforf.
    Dazu muss man auch nocht erwähnen, das es Eltern gibt die nicht im Homeoffice sind, und täglich arbeiten gehen. Wenn man dann abends Heim kommt beginnt erst das Homeschooling. Kinder (11) die Tagsüber nur per Moodle & E-Mail Aufgaben erhalten haben stehen oft überfordert davor.
    Wie was einschicken? Videos die angesehen werden soll laufen nicht. Lehrer nicht online…
    Die Lehrkräfte zeigen sich bemüht, aber auch überfordert. Es werden TEAMS-VK eingestellt und dann kurzfristig entfern bzw. verschoben. An einigen Tagen gibt es „nur“ 45 Minuten Kunst VK. Also die restliche Zeit sollen Kinder alleine dann daheim ihre Aufgaben machen. (08:30-15:00 Uhr).
    Wenn sie was nicht verstehen —>nächstes Fach, dann muss Mama oder Papa abends helfen. Dann verlieren sie die Lust und gehen zocken-
    Dann die DSL-Abstürze von großen Anbietern „offlline“ , von der Schule das „Schüler hat nicht am Distanzunterricht teilgenommen“.
    Die Idee der Schule, man könnte je abends die Aufgaben heraussuchen, prima, ich komme um 17:00 Uhr Heim und muss dann Aufgaben aus Moodle suchen um meinem Sohn zu zeigen was er hätte machen sollen.
    Also beginnen wir abends mit den Aufgaben.

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  15. Isabelle d'Heureuse 3. Februar 2021 um 21:08

    Mein Gott, wie wahr, wie traurig, wie entmutigend…
    Gibt es Eltern in diesem Land, denen ein positives Wort zu diesem Thema einfällt? Ich kenne keine. Selbst gehöre ich auch zu diesem geplagten Kreis.
    Unser Kind (Zweitklässler) kommt sogar noch in den „Genuss“ von seiner Mutter (mir) als vollausgebildete Grundschullehrerin, die ihren Job aufgegeben hat, daheim unterrichtet zu werden.
    Jetzt sollte man meinen : super, das läuft doch sicher prima! Pustekuchen, auch wir schlagen uns mit Unlust, Frust, Tränen und manchmal Verzweiflung rum.
    Wie eine Kinderseele verstehen soll, dass sie mit Schule im Lebensraum Zuhause auf Schulfrust getrimmt werden soll, ihr dann die lebenswichtigen sozialen Kontakte gekappt, da verboten, werden, eine sportliche Betätigung jenseits des häuslichen Umfelds unmöglich gemacht wird und auch bitte jegliche das Kinderherz beglückende Freizeitunternehmung untergraben wird, das ist meine Frage an realitätsfremde Politiker, deren Lebenssituation entweder schon lange eine andere ist, oder die noch nie in der Rolle von Eltern waren.

    Wie kann man sich selbst noch im Spiegel ansehen, wenn man täglich eine lebensfremde Entscheidung nach der anderen als Status Quo proklamiert, und mit Solidarität mahnt, wenn im Gegenzug eine komplette gesellschaftliche demografische Schicht (die wehrloseste auch noch) mit Füßen getreten wird!?

    Wie kann man ernsthaft einer kleinen elitären Gruppe (an dieser Stelle sehe ich alle Fußballfans zumindest tief einatmen) von schnöseligen Ballschubsern ein wildes Durch-das-Land-reisen erlauben, wenn für Ottonormalverbraucher sogar 15km Bewegungsradien verkündet werden!?

    Wo ist die Verhältnismäßigkeit, wenn Hunderttausende Arbeitnehmer in Gastgewerbe und Hotellerie um ihre Existenzen bangen oder vielleicht noch so gerade eben am Hungertuch vorbeischrabben, wir aber Reisen zu wirklich nicht wirtschaftlich notwendigen Championsleague oder sonstwas Spielen erlauben!?

    Solidarität ist eine so elementar wichtige Charaktereigenschaft, sie sollte behutsam und stetig gepflegt werden, aber sie kann nicht verordnet werden. Das ist nicht der Sinn davon.
    Wenn unsere Kinder solidarisch erzogen werden sollen, muss es ihnen vorgelebt und gezeigt werden.
    DAS meine Damen und Herren Entscheidungsträger haben SIE absolut vermasselt!

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